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TV als Lustkiller - Flimmerkiste aus!
Kennt das nicht jeder? Was tun bei Langeweile? Im Zweifelsfall macht man die Glotze an und lässt sich berieseln. Vor allem Paare töten das zweisame Nichtstun gern auf diese Art. Und so entpuppt sich der Fernseher als einer der größten Lustkiller unserer Gesellschaft. Neben der Reizüberflutung stört er vor allem die Kommunikation von Paaren. Nicht reden, nicht miteinander beschäftigen müssen, einfach nur völlig passiv konsumieren.
Nun ist es angeblich so, dass viele Menschen auch einfach mal aus Langeweile onanieren. Hat man nichts zu tun, verschafft man sich halt ein paar nette Gefühle. So ein kurzes kribbeln und schon sieht die Welt viel entspannter aus. Klappt das auch bei Paaren? Haben Paare bei denen die Flimmerkiste nicht allabendlich die Hauptattraktion darstellt mehr Sex?
In Indien nutzt man den Fernseher zur Geburtenkontrolle
Scheinbar ist das so, wie die jüngste Untersuchung der indischen Regierung zeigt. Denn, so die These aus Delhi, die große Langeweile am Abend führt in den kleinen Dörfern Indiens zu ungewolltem Nachwuchs. Um der stetig wachsenden Bevölkerungszahl in Indien Herr zu werden sucht man nun nach einer günstigen Lösung. Der Fernseher erscheint den offiziellen als das geeignete Mittel. „Fernsehen statt Sex“ ist das Motto der neuen indischen Initiative, bei der preiswerte Fernseher an die indische Bevölkerung verkauft werden sollen.
Wenn fernsehen also zu weniger Sex führen soll, muss doch weniger fernsehen zu mehr Sex führen können oder? Ein Versuch ist es wert. Am Anfang muss man natürlich den Partner von der Idee überzeugen ein paar Wochen auf die Glotze zu verzichten. Man muss das Fernsehen ja nicht generell aus der guten Stube verbannen, aber gekuckt wird nur noch allein, in trauter Zweisamkeit bleibt der Kasten aus. Konsequent!
Man(n) muss ja nicht gleich völlig verzichten
Als Mann wird man es nicht so schwer haben seine Partnerin von dem Vorhaben zu überzeugen, als Frau muss man im Notfall eben in die Trickkiste greifen. So kann der Mann zum „Sportschau“ gucken dann vielleicht ausnahmsweise zu den Kumpels, oder in die nächste Kneipe verschwinden… Meine Freundin war von der Idee zumindest gleichwohl hellauf begeistert wie überrascht, hatte sie von mir einen solchen Vorschlag unterbreitet zu bekommen doch nun wirklich nicht erwartet. Ab sofort galt: einen Monat ohne Fernsehen sobald man sich gemeinsam in der Wohnung aufhält. Ohne Ausnahme!
Ich kann euch sagen, das ist eine ganz schöne Umstellung. Vor allem wenn der Fernseher ansonsten eigentlich immer lief. Man ist zunächst gezwungen die eine oder andere Gewohnheit aufzugeben. Gegessen wird jetzt wieder am Tisch statt auf dem Sofa und im Bett liest man höchstens noch gemeinsam statt einfach nur ein bisschen zu glotzen. Somit schläft man auch wieder viel häufiger Arm in Arm ein. Insbesondere ist interessant, womit man die vorher so leichtfertig verschwendete Zeit nun füllt. Erstmal gingen wir abends wieder viel häufiger aus. Was will man schließlich zuhause rumhocken? Doch ständig kann man sich natürlich auch nicht bei Freunden einladen, Essen gehen oder dem Kino einen Besuch abstatten. Prompt werden etliche Dinge erledigt, die man schon ewig in Angriff nehmen wollte. Das Bad wurde neu gestrichen, der Teppich gereinigt und der Kleiderschrank entrümpelt.
Und was machen wir nun heute? Sex…
Doch das durften nur die Nebeneffekte auf dem Weg zum eigentlichen Ziel sein: mehr Sex. Zunächst einmal haben wir wieder viel mehr miteinander Gesprochen. Nicht nur ein „wie war dein Tag, meiner auch“ und schon wurde auf die Fernbedienung gedrückt. Nein, wir sprachen über Gott und die Welt, über die politische Lage, über Fußball, über uns, unsere Ängste, unsere Zukunft, unsere Pläne und Probleme. Gerne wurde dabei ein Glas Wein getrunken oder auch mal eine Flasche geleert. Jeder überlegte sich des Öfteren aufs Neue, wie der Abend nett gestaltet werden könnte. Uns so ergab es sich in der Tat, dass man irgendwann zwangsläufig auch mal wieder im Bett landete.
Das Interesse am Partner steigt zwangsläufig
Der Grund war sicherlich das gestiegene Interesse aneinander durch die zunehmende Beschäftigung mit dem Partner. Denn welche Frau beschwert sich nicht des Öfteren über mangelnde Aufmerksamkeit? Aber auch Langeweile spielte eine Rolle. Was tun, wenn es eigentlich nichts zu tun gibt, neben einem aber der Mensch sitz den man liebt. Man nimmt sich öfter in den Arm, kuschelt miteinander, tauscht Zärtlichkeiten aus. Und so kommt eins zum anderen.
Folglich kann ich den Entzug vom Fernsehen nur empfehlen. Zumindest hat es in meiner Partnerschaft zu mehr sexueller Aktivität geführt und dann nehme ich doch gerne in Kauf, dass ich wohl nicht live erfahren werde, wer nun Deutschlands Superstar wird... Natürlich will man nur einige Zeit und nicht auf Dauer auf den Fernseher verzichten, aber vielleicht nutz man dieses Medium in Zukunft etwas bewusster und schaltet es nicht zwangsläufig und völlig Wahllos jeden Abend ein. |